1. Etappe

Tag 0: Der Tag vor dem Tag für Hubert und Jochen
Auf den letzten Drücker ab nach Sonthofen, aber dafür auch einmal unter den Ersten ... bei der Pasta-Party. Vom dem Regen und Wind der letzten Tage verblieb nur Letzterer. Und für die erste Etappe sind 25°C und pure Sunpower angekündigt. Das Material ist vorbereitet, die Strecke verinnerlicht: Es kann los gehen.

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Tag 1: Erste Etappe von Sonthofen nach Imst, 121km 2450hm
Da wir für euch nah an der Geschichte dran sein möchten schicken wir euch unsere persönlichen Statements.

Hubert:
Nachdem ich seit meiner überaus erfolgreichen Craft-Bike-Transgermany vor rund 3 Wochen bis gestern so richtig viel beruflich zu tun hatte und dabei schier gar nicht mehr zum trainieren kam, gelang es mir gerade noch auf den letzten Drücker alle wichtigen Arbeiten zuhause und rund um meine Firma anständig abzuschließen. Es fiel mir so richtig ein Stein von Herzen als ich mit Jochen im Auto auf dem Weg nach Sonthofen unterwegs war um bei der Tour-Transalp starten zu können. "Endlich geht es in den Urlaub (besser gesagt, Intensivurlaub)".
Ich muss sagen, wir waren zwar auf dem Weg nach Sonthofen knapp dran, aber es hat alles auf die Minute genau gepasst. Wir konnten alles wichtige regeln und kamen zeitig ins Bett ums uns auf diesen ersten Etappen-Tag vorzubereiten.
Heute um 10:00 Uhr war endlich Start und es ging ab wie die Feuerwehr. Es fühlte sich jedoch gut an und hat Spaß gemacht. Das Verständnis zwischen Jochen und mir hat gut funktioniert. Jeder wusste wie der andere ungefähr fährt und wir blieben gut beieinander. Als nach der Hälfte der Distanz (~60km) der dritte Anstieg kam merkte ich allerdings schon, dass meine Kräfte nachließen, was letztendlich dafür sorgte, dass ich am Hahntenjoch von Krämpfen überschüttet wurde und nur mühsam die Passhöhe mit Hilfe von Cola und Salzwasser erklimmen konnte. Das hat uns letztendlich viele Plätze gekostet.
Zwischenzeitlich freue ich mich nach 2 Tellern Pasta und einer ruhigen und schönen Unterkunft wieder auf den nächsten Tag, welche gerne etwas besser verlaufen darf.

Jochen:
Nach einer grausamen Nacht mit Polka und Trompeten for dem Gasthof bis 01:30, stand ich etwas unmotiviert am Start. Was mach ich hier??? Wo wir schon mal da sind, eine nagelneue Rennmaschine gekauft ist, die Sonne lacht und eine großartige Landschaft mich umgibt: Fahr'n wir halt.
Mit flotten Tempo ging es dann auch gleich zum Oberjochpass und zügig darüber hinweg ins Tannheimer Tal. Kurz geschüttelt von 300m grober Schotterpiste schafften wir es immer wieder in Gruppen sehr zügig zum alten Gaichtpass.
Die Abfahrt im großen Pulk war dann mehr Herausforderung als gedacht.
Spätestens als doch unerwartet Gegenverkehr auftauchte. Nach meinem Sturz auf Mallorca vor 2 Monaten fühlte ich mich auf dem neuen Kohle-Esel aber endlich wieder sicher. So verlor ich zwar Hubert hinter mir kurzzeitig aus den Augen konnte umgekehrt aber auch locker 50 Plätze gut machen.
Im Tal in Richtung Bichelberg dann die Schrecksekunde, als der große Pulk bremst und mir jemand recht grob ins Schaltwerk donnert - zum Glück passiert mir nichts. Die Auffahrt zum Namlossattel war für mich dann ein Traum den ich richtig genießen konnte, während Hubert dem Anfangstempo Tribut zollen muss. Gemeinsam geht es hinter Namlos von der ersten Verpflegung auf die 13-km-Abfahrt nach Stanzach und im Weiteren zum Beginn der Tagesherausforderung: Dem Hahntenjoch.
Es war heute kein Vergleich zu meiner Fahrt vor 3 Wochen als es 20°C weniger und dafür eimerweise mehr Regen hatte. Fast spielerisch ging es heute die beeindruckende erste steile Rampe empor und über das Flachstück zu den richtig harten Kehren. Wie erwartet konnte ich dort viele dem Anfangstempo und sicher auch der Wärme Tribut zollen sehen.
Für mich steht nach diesem Tag fest: So kann es weiter gehen respektive fahren.

2. Etappe

Tag 2: Zweite Etappe von Imst nach Ischgl, 159km 2790hm
Unser Einsatz heute wurde mit einem 4. Platz in der Scott Attack Wertung belohnt. Diese Auszeichnung bewertet die Verbesserung der Team-Platzierung pro Tag. Dort konnten wir uns heute um fast 100 Plätze (98) verbessern. Vielleicht ... schaffen wir es noch auf Platz 3.

Hubert:
Heute ging es mir glücklicherweise um einiges besser als gestern. Schon beim Start aus Block C gelang es Jochen und mir, uns gleich hinter den Führungsmotorräden, die das anfängliche Neutralisationstempo bestimmen, zu platzieren.
Jochen hatte etwas Angst, das ich vielleicht gleich zuviel wollte, aber ich hielt die Position.Mein GA2-Pulsbereich funktionierte, und obendrein gibt es da vorne das gutes Gefühl "im Rennen" zu sein.
Der Arlberpass anschließend empfand ich als anspruchsvoll, die Abfahrt nach Bludenz prickelnd schnell, der Weg an den Bielerhöheanstieg als überwiegend harmonisch.
Gleich zu Beginn am Bielerhöheanstieg war ich dann erst mal in Not, sprich der Akku war fast leer, und Jochen musste mich zeitweise anschieben.
Irgendwann lief es dann auch bei mir wieder, Gott sei Dank, denn ohne Kraft in den Beinen macht das alles wenig Spaß.
Unser letztendlicher 64.Platz in der Tages-Masterwertung hat mich sehr zufriedengestellt.Wir hatten großen Sprung nach vorne gemacht.
Das Wetter war heute phantastisch, besser geht's kaum.
Nun freu ich mich auf Morgen, wenn auch mit viel Respekt.
160 Km und 2650 Hm sind ein Haufen Holz.

Jochen:
Ein sehr früher Start in den Tag, nur um Rad zu fahren. Zwar noch am morgen noch frische 13°C aber strahlend blauer Himmel und Sonne pur. Es versprach wie vom Wetterdienst angekündigt ein heißer Tag zu werden.
Die ersten 24km waren wohl heute mit die schwersten. Es ging neutralisiert in den jeweiligen Startblöcken auf die Strecke und dass hieß: Konzentration pur. Wobei die Marshalls auf ihren Motorrädern nicht gerade zur Beruhigung beitrugen. Bergauf Gas geben und bergab bremsen.
Doch es verlief bis zur Freigabe des Rennens hinter Landeck alles ohne Zwischenfälle.
Auf dem Programm standen heute "nur" 2 Berge: Der Arlbergpass und die Biehlerhöhe - auch bekannt als Silvrettahochalpenstraße. Doch die Distanz von 150km und vor allem die Temperaturen setzten stark zu. Daher war trinken oberstes Gebot der Stunde.
Nach der Freigabe arbeitet wir uns langsam das Tal aufwärts an vielen Teams vorbei. Und auch ab St.Anton i.T. als die Straße in der prallen Sonne in die 2-stelligen Prozente ging konnten wir gemeinsam in gleichmäßigen Tritt Platz um Platz gut machen. Auf der Passhöhe in St.Christoph war die erste Verpflegung wo wir erst einmal die Flaschen wieder auffüllten. Es folgte die lange Abfahrt ins Tal bis kurz vor Bludenz. Wobei wir auf dem Weg das Pech hatten am Bahnübergang stehen bleiben zu müssen.
Kaum unten im Tal angekommen begannt die Lange Anfahrt zur Mautstelle der Silvrettahochalpenstraße mit kleinem Zwischenstop kurz davor. Ein notwendiger und lohnender Stop. Die Ananas war einfach lecker. Dann begann einmal mehr der Kampf mit dem Berg. Kein Lüftchen, und sicher mehr als 30°C im Schatten. Kehre um Kehre zog sich nach oben. Und immer kam noch ein weitere Stück. Heilfroh den Berg bezwungen zu haben warfen wir uns in die letzte lange Abfahrt über Galtür in den Winterskiort Ischgl. Gemeinsam erreichten wir nach sehr guten 5:32 h das Ziel.
Für morgen ist der bis dato heißeste Tag des Jahres angekündigt. Mit Blick auf Dienstag und Mittwoch lautet mein Motto: Zurückhaltung üben. Denn das Stilfserjoch und der Mortirolo werden sehr, sehr hart!

3. Etappe

Tag 3: Dritte Etappe von Ischgl nach Naturns, 160 km, 2600 hm
Die nächste Hitzeschlacht in Bildern

Hubert:
Heute war mein bisher bester Tag. Am ersten Berg konnte ich gleich mal ein Zeichen setzen, das wir nicht nur hinterherfahren wollen, sondern auch auch einen gebührenden Platz im Fahrerfeld einnehmen möchten.
Somit hab ich am Tobadill-Anstieg einfach mal meinen Pulsbereichen vertraut und solange agiert und überholt, bis wir in eine Gruppen waren, die vom Tempo her in Ordnung war.
An den weiteren Anstiegen wie der Norbertshöhe und dem Reschenpass habe ich mich wieder verstärkt an Jochens Tempo orientiert.
Am letzten großen Anstieg, der Vinschgauer Höhenstraße (übrigens eine phantastische Panoramastraße) ging mir dann doch nach und nach die Luft aus.
Aber ich hab's geschafft! Jochen's Energiereserven haben mir bis ins Ziel nach Naturns guten Windschatten gegeben.
In der Gesamtplatzierung konnten wir wieder viele Plätze gut machen und rangieren nun unter allen ca. 650 Teams auf Platz 242. Das wunderschön gelegene Naturns in Südtirol, hat es zwischenzeitlich geschafft, dass ich mich auf die morgige Hammeretappe über das Stilfser Joch freue; wenn auch mit viel Erfurcht.

Jochen:
Ein Gefühl wie der Kater nach dem Kater begrüßte mich am frühen morgen.
Und wie schon am Vortag beschränkte sich das Aufnahmevermögen des Magens beim Frühstück auf ein Brötchen und ein wenig Müsli. Um es vorweg zu nehmen: Ich scheine die Tage zum Gel-Junkie zu mutieren. So hat die Etappe neben besagten knappen Frühstück lediglich 6 Gels und eine halbe Ananasscheibe gekostet. Man sieht: Ich bin zwar noch nicht so schnell wie eine Mercedes S-Klasse aber dafür viel viel günstiger im Unterhalt.
So begann die Etappe bzw. der gesamte Tag in für meine Stimmung üblichen Schweigen. Am ersten Anstieg, der Ansatzlos an die geführten 21 km Abfahrt folgte, legte Hubert mehr Holz ins Feuer als ich mir das so mit dem guten Vorsatz vom Vortag (Zurückhaltung üben) vorgestellt hatte.
Gut, dachte ich mir, mal sehen wie lange das gut geht. Der Tobadill nicht sehr lange aber dafür doch immer wieder giftig und im oberen Teil schon in der Sonne gab uns den ersten Eindruck wie dieser Tag werden sollte. Ab Landeck stand dann das Thema: Gruppenbildung an. Lange ein Hin&Her, keiner will hinten fahren, alle überholen rechts und wehe man ist ganz vorne, dann will man doch nicht mehr. Einige Wellen behoben dann das Problem und ich beschloss mit Hubert den Anschluss an das vorderste Grüppchen zu suchen.
Dort lieft es dann bis wenige Kilometer vor der Norbetshöhe so gut, dass wir auch eine recht große Gruppe vor uns einholten. An dieser Stelle gilt mein Dank der tollen Führungsarbeit der 2 Teams vom RSC Würzburg mit der Startnummer 151 und 152! Die Norbertshöhe gab sich erwartungs gemäß zwar warm, aber gut zu fahren.
Mit meinem "Fahrtrick" sackten wir Kurve um Kurve einen Radler nach dem anderen ein. Über Nebenstraßen am und über dem Reschensee vorbei hatte ich am Haldensee auf einmal ein gigantisches Feld von Fahrern hinter mir und durfte die bis in die ersten Kehren die Zugmaschine spielen. Die Abfahrt nach Mals war immer nur in eine Kehrenrichtung angenehm. Die andere war Wind bedingt eher kritisch.
Nach der zweiten Verpflegung ging es dann in das letzte große Sterben:
Die Vinschgauer Höhenstraße. Hier brannte die Sonne mit aller Macht, dass jeder Solarzellenbesitzer seine wahre Freude gehabt hätte. Doch auch dieser Anstieg fand ein Ende und damit eine grandiose Abfahrt. Zwar war der Tacho mal wieder ausgefallen (morgen bleibt er zu Hause) doch 80 km/h waren an vielen Stellen durch aus drin. Ein letzter giftiger Anstieg trennte uns noch vom Ziel: Naturns. Dort angekommen setzten wir uns wie viele andere in den Brunnen um Abkühlung zu finden. Auf dem Weg zur Pasta-Party zeigte das Thermometer um 19:00 immer noch 36°C im SCHATTEN!
Für morgen sind ähnliche Temperaturen angesagt. Dies wird die sowieso schon gewaltige Etappe über das Stilfserjoch zur Hölle machen. Erst für morgen Abend sind dann Gewitter und Regen angesagt.

4. Etappe

Tag 4: Vierte Etappe von Naturns nach Livigno, 120 km, 3570 hm
Der König ist bezwungen! Es lebe der König!

Hubert:
Wie der dritte Tag aufgehört hat, so begann auch der Vierte. Ich freute mich auf die Etappe nach Livigno. Es war schon ein bisschen klar, dass Jochen und ich heute etwas mehr für sich fahren werden.
Die beiden anstehenden langen Anstiege lassen ein gemeinsames Fahren nur erschwert zu. Es ist auch wichtig, das jeder von uns seinen Rhythmus im Rennen findet. In der anfänglichen neutralisierten Phase des Rennens, war schon ein mächtiges Tempo drin. Im Grunde war es da schon so schnell wie wenn das Rennen freigegeben gewesen wäre.
Das Stilfserjoch lief beim in der ersten Anstiegshälfte gut, in der zweiten Hälfte eher zäh.
Beim zweiten Pass, dem Passo Foscagno war es gerade anders herum. Den dritten im Bunde (Passo d'Eira) hab ich einfach durchgedrückt. Es waren an diesem Berg ja nur noch 200 Hm.
Ein besonders gutes Gefühl hatte ich bei der Zieldurchfahrt in Livigno nicht. Umso mehr war ich positiv überrascht, das wir uns im Gesamtklassement um fast 30 Plätze auf Platz 214 weiter nach vorne gearbeitet haben. Die anderen hatten halt auch ihre Schwierigkeiten. Dann war ich wieder zufriedener. Der morgige Tag kann kommen, aber bitte ohne Regen!

Jochen:
Der Tag begann wettertechnisch wie der letzte: Strahlend blauer Himmel, nicht ansatzweise ein Wölkchen. Etwaige Gewitter waren erst für Abends angekündigt. Daher viel die Entscheidung gegen Unterhemd und gegen Windweste. Am Start dann die Überraschung: Es soll schon früher gewittern, man möge doch bitte DRINGEND entsprechende Kleidung mitnehmen. Na super! Das erzählt man eine halbe Stunde vor Start, als das Gepäck schon auf dem Weg nach Livigno ist. Hubert organisierte auf die schnelle zwei fesche schwarze Mülltüten die Abends noch als "Kleines Schwarzes" durchgehen könnten.
Das erste mal starteten wir in Startblock B. So nahe waren wir der Spitze noch nie. Über 30 km ging es neutralisiert ... zur Sache. Noch schneller hätte es nicht sein dürfen. 30 km/h an den Anstiegen waren heftig. Dies ließ mich für das Stilfserjoch nichts gutes erahnen. Doch ich hatte mich mal wieder unterschätzt. In ziemlich genau 2 h war der König bezwungen. Zwar war es wohl selten so warm auf dem Stilfserjoch, doch die Abfahrt wurde frisch. Da kam die Mülltüte als Windstopper unter dem Trikot genau richtig.
Atemberaubend ging es dann auf die Abfahrt nach Bormio. Für mich war das die schönste Passabfahrt die ich je gefahren bin. Fantastische Ausblicke auf die Gebirgslandschaft, ein grandioser Wasserfall und nicht zuletzt Kehren über Kehren zum "kurven".
Als zweiter Berg stand dann noch der Passo Foscagno mit nochmals fast 1000 hm auf dem Programm.  mich war er von der Steigung toll zu fahren und so zog ich langsam aber stetig an einem Team nach dem anderen Vorbei. Sogar "Schneeweißchen und Rosenrot", die Sieger bei den Frauen der ersten Etappe mußten daran glauben.
Auch die letzte Bodenwelle mit 200 m konnte uns nicht mehr aufhalten. Auch wenn er es mit einer 10% Steigung auf den letzten 100Metern noch einmal versucht hat.
Mit einer tollen Strecke, amüsanten Gesprächen mit Teams, die ich auch gestern schon getroffen hatte, wie die ganz vorne mitfahrenden Kanadierinnen, einem australischen Team mit dem Motto "Down under all over" und dem einen oder anderen Fahrer mit den Trikot der "Scott Attack" Wertung, wieder dem Team des RSC WÜrzburg mit der Nummer 151 mit denen ich die letzte Abfahrt nach Livigno hinab raste und vor allem viel Sonne und kein Tröpfchen Regen war es für mich der bisher schönste Tag der Tour.

5. Etappe

Tag 5: Fünfte Etappe von Livigno nach Ponte di Legno, 111 km, 2650 hm
Wir oder er – Wird der Passo Mortirolo auch unser Mörder?

Hubert:
Bei der fünften Etappe gab es zwei Entwarnungen.
1.) Der Regen blieb aus, auch wenn er noch ein bisschen drohte.
2.) Der fürchterliche Passo Mortirolo mit seinen vielen Hammersteigungen von
bis zu 20% hat uns nicht ermordet.
Im Gegenteil, wie haben ihn besiegt. Jochen und ich haben ihn mit unseren
bisher besten Etappe in die Knie gezwungen. Die Bestie hat zwar gebrüllt, doch jetzt ist sie still.
Es war heute bis an den Fuß zum Mortirolo ein sehr schnelles Rennen, jedoch
auch sehr schön, mit zwei kleineren Bergen und phantastischen Abfahren.
Bei KM 70 begann der Mortirolo-Anstieg. Es war zwar sehr hart da hoch, aber meine Beine spielten mit, und auf der Passhöhe war ich einfach stolz, ihn so gut bezwungen zu haben.
Der Mortirolo ist übrigens ein sehr schöner Berg mit einer lebendigen Gipfellandschaft. Die Abfahrt empfand ich als sehr genussreich, sie war zwar steil aber auch harmonisch zu fahren.
Bis Ponte di Lengo war es zwar nochmal sehr anstrengend, aber mit einen 44. Platz in der Master-Tageswertung und einem 194. Overall-Gesamtplatz haben wir wieder einen schönen Sprung nach vorne gemacht.
Ponte di Legno ist übrigens ein landschaftlich außergewöhnlich attraktiver Ort. Und somit freue ich mich auf morgen ... und auf Kaltern.

Jochen:
Ich bin ein Schönwetterfahrer und eine Frostbeule. So fiel dann die Entscheidung heute morgen für wärmere Ausrüstung. Dies sollte sich doch recht bald als zu warm herausstellen. Schon am ersten Anstieg brach die Sonne durch die Wolken. Egal, die Abfahrt war so jedenfalls herrlich warm.
Unterwegs bis zum Mortirolo war dann genug Zeit eines nach dem anderen wieder auszuziehen, auch die Überschuhe. Viele hatten es wohl so eilig, dass sie den ganzen Passo Mortirolo mit Fußsauna fuhren.
Die ersten beiden Anstiege kannten wir vom Vortag schon in umgekehrter Richtung. Peter Scherrer warnte uns am Vorabend noch vor Sand und Wasser sowie gefährlichen Schlaglöchern in den Galerien. Zum Glück war die Straße schon trocken. Mindestens einer hatte in der obersten Galerie leider kein Glück.
Tendenziell immer bergab ging es mit und von Gruppe zu Gruppe in hohem Tempo ratz-fatz zur ersten Verpflegung. Dort blieb dann nur noch Trikot und Hose an. Der Rest musste irgendwo und irgendwie im und unter dem Trikot verstaut werden. Und das war nicht weniger als Handschuhe, Überschuhe, Knielinge, Armlinge, Mütze, Regenhose und Regenjacke.
Glücklicherweise erreichten wir den Einstieg zum Mortirolo gerade rechtzeitig. So konnte ich den Teambus von Peter Scherrer noch erwischen und wir dort all unsere überflüssigen Klamotten ins Auto werfen bevor es an die Tagesaufgabe ging.
Der Mörderberg Mortirolo war steil und dies vor allem über sehr lange Strecken. Doch er war nicht so steil wie befürchtet. Huberts rasche Ankunft an der zweiten Verpflegung bestätigte seine Entscheidung vom Vortrag noch ein größeres Ritzelpaket zu kaufen. Die Abfahrt von zunächst ebenfalls Steil, bespickt mit tollen Kehren und anschließend schnell mit tollem Belag.
Die letzten gut 15 km ging es noch einmal bergauf. Dort ließen wir nochmal ein paar Körner liegen und sorgten auch dort für hohes Tempo. Die Idee vom Platz unter den ersten 200 wurde damit heute schon erreicht!

6. Etappe

Tag 6: Sechste Etappe von Ponte di Legno nach Kaltern, 140 km, 3100 hm
Die Steigerung nach der Steigerung!

Hubert:
Ich habe ja schon Erfahrungen aus zwei Tour-Transalp's aus 2005 und 2006 gesammelt. Dieses mal kommt eine Neue dazu.
Es ist tatsächlich möglich, sich auch über sechs Renntage von Tag zu Tag zu steigern. Über den siebten Tag rede ich sicherheitshalber erst morgen. Nach dem Start in Ponte di Legno lief es bei mir sehr flüssig auf den Passo Tonale hinauf, so flüssig, dass ich mich sogar richtig gefreut habe (das ist nicht immer so).
Im letzten Drittel des Anstieges konnte ich mich sogar in den Rythmus von Jochen einklinken (auch das war in den vergangenen Tagen nicht immer so).
Auf der 40 km langen Abfahrt ins Tal bis zum nächsten Berg bestimmten Jochen und ich mit großem Anteil das Tempo in der relativ großen Gruppe (auch ein schönes Gefühl).
Am Brezerjoch und am Gampenpass war allerdings klar, das ich mit meinen Kräften nun bis ins Ziel haushalten muß.
Bei Jochen hatte ich den Eindruck, das er an diesen Anstiegen seinen zweiten Frühling erlebte. Es war kaum zu bremsen, und ich konnte nicht mehr schneller. Man war ich froh als der Gampenpass überwunden war!
Zu Schluss der Etappe hat Jochen mich dann immer wieder ab und an etwas anschieben müssen, nachdem mir die Zunge immer wieder an Boden hing.
Im Ziel angekommen konnten wir beiden es nach Ergebnisbekanntgabe kaum fassen was wir da zu lesen bekamen!
Schon wieder eine klare Plazierungsverbesserung auf Platz 33 im Tagesklassement der Masterwertung!
In der Overall-Gesamtwertung sind wir dadurch nun auf den 175. Platz vorgerückt. Wenn mal bedenkt das wir nach dem ersten Tag noch Platz 371 waren, ist das eine schöne Entwicklung im Verlauf dieser Transalp.
Jetzt wollen wir uns noch ein schönen Abschluß in Arco schenken.
Drücken wir uns die Daumen, bis bald ...

Jochen:
Schon 15° C am frühen Morgen auf der Passhöhe versprachen wieder ein tolles Rennen. Allerdings fühlten sich die Beine heute schwer an.
Mit einer Ehrenrunde durch Ponte di Legno und damit ein paar Kilometern und Höhenmetern mehr ging es den am morgen zum Start schon herunter gefahrenen Passo Tonale wieder hoch. Für heute hatten wir uns das Team mit der Startnummer 83 vorgenommen. Waren wir gestern doch vor ihnen im Ziel und doch in der Wertung 2 Minuten hinter ihnen platziert.
Der erste Berg kam wir recht zäh vor. Aber der Plan war eh auf den 40 km Abfahrt keine Spielchen zu machen. Doch es kam etwas anders. Gemeinsam waren wir ziemlich oft die Spitze des Feldes auf dem Weg zur ersten Verpflegung.
Hinter einem netten Marshall auf dem Motorrad rasten wir nur so dahin. Ab da war mein Motor dann auf Touren, wohl nicht zuletzt wegen der schon wieder hohen Temperaturen.
Am Brezerjoch hatte ich dann den Spruch des Tages von gestern im Kopf:
Ich habe die ganze Zeit auf die steile Stellen gewartet; es lief wieder bestens.
Als nächstes stand der Gampenpass auf dem Plan. Ein Anstieg genau nach meinem Geschmack - zum heizen. Relativ flach ging es mit etlichen Leuten im Schlepptau zur zweiten Verpflegung und zur anschließenden letzten großen Abfahrt. Nicht nur diese wurde heute einigen Fahrern zum Verhängnis. Die Aufmerksamkeit lässt nach 6 Tour-Tagen doch nach.
Nichtsdestotrotz waren es bis zum Schluss tolle, teils steile Kehren mit einer sagenhaften Aussicht über das Tal.
Der vorletzte kleiner Anstieg war dann für das Auge der pure Genuss. Die mächtigen senkrechten Felswände davor Weinberge mit Schlösschen und hoch aufragenden Kirchtürmen, gigantisch. Auch wenn am Ende der Etappe bei Hubert die Reserven nicht mehr allzu groß waren, war dies nach meinem Empfinden sein bisher stärkster Tag.
Im Ziel angekommen musste ich erneut fest stellen was für tolle Touren es in den Alpen gibt. Es ist unglaublich was man mit einem Rennrad alles entdecken kann. An den Vortagen war mir immer klar wie wir wohl  am Tag und in der Gesamtwertung abgeschnitten hatten - heute hatte ich dafür kein Gefühl.
Ich freut mich auf morgen, die letzte Etappe nach Arco. Ein Ziel für morgen müssen wir noch finden. Das gute Wetter ist schon bestellt.

7. Etappe

Tag 7: Siebte Etappe von Kaltern nach Arco, 120 km, 2240 hm 
Wenn Leiden zur Erfüllung wird: Transalp
 
Hubert:
Nach der schon unglaublichen Entwicklung unserer Tagesplazierungen im Laufe der vergangenen 6 Etappen, glaubte ich heute nicht mehr so richtigan eine weitere Steigerung als der Startschuß in Kaltern fiel und das Fahrerfeld sich auf den Weg nach Arco an den Gardasee bewegte.
Schon nach einigen 100Metern spürte ich die schweren Beine die mich auf dem Rad Träge erschienen ließen.
Die Energie der vergangenen Tage schien in mir zum Stillstand gekommen zu sein.
Mist, hab ich gesagt, aber einmal muß es wohl so kommen. Aber.... es kam dann doch anders. Nach den ersten ca. 300 Höhenmetern am Mendelpass lief es immer besser, meine Beine pedalierten immer flüssiger. und nach und nach konnte ich den Blinker zum Überholen setzen. Nach ca einer Stunde war der Mendelpass mit einem guten Körpergefühl erklommen.
Oben an der Passhöhe wartete Jochen, den nun überwiegend die Führungsarbeit in den Flachpassagen übernahm. Ich konnte schwer sagen, ob es mir heute von der Kondition her besser geht, als am sehr guten Vortag. Nur eins war klar, es war mal wieder sehr anstrengend.
Doch Jochen war ab der Mendel-Passhöhe heute sehr oft bei mir, und verhalf mir immer wieder gut, über die noch folgenden Berge zu kommen.
Auffallend war, das ich in den langen Abfahrten an Sicherheit und Geschwindigkeit gewonnen hatte.
Das Team "Elektro Birk Sunpower" ist zwischenzeitlich im vorderen Drittel des Fahrerfeldes zu einer "Marke" geworden. Über der Ziellinie in Arco empfand ich ein erfüllendes Glücksgefühl. Wir haben es geschafft, sturzfrei, pannenfrei und gesund am Gardasee anzukommen.
Das Überstreifen des Finisher-Trikots war Balsam für die Leidenszeiten an den teilweise sehr langen Anstiegen.
Als kurze Zeit danach bekannt wurde, das wir uns wieder in der Tagesplazierung um 4 Plätze auf Platz 29 verbessert haben, war klar, uns ist etwas gelungen, was nur ganz wenigen Teams gelingt: die permanente Steigerung innerhalb eines Etappenrennens! Und das bei der Tour-Transalp!
Nun ist es geschafft. Es war eine erfolgreiche und erfüllende Transalp. Im Rückblick ein phantastisches Radrennen, ein wahres Abenteuer!
 
Jochen:
Heute kam das große Finale, die letzte Etappe nach Arco. Am morgen war ich das erste mal relativ wach und hätte auch genauso gut das Frühstück auf der Terrasse, mit wunderbarer Aussicht über das Tal bis in die Dolomiten, als Brunch ausdehnen können.
Frisch war es am Start, aber da der erste Pass direkt in der Sonne lag wurde es unterwegs wieder wärmer. Je wärmer, je besser für mich. Der Mendelpass war nicht sehr steil, aber an die Bestzeit von 34 Minuten die Uli Stanciu am Vorabend als Bestmarke ausgegeben hatte war bei weitem nicht zu denken. In immerhin 55 Minuten war er aber gut zu bewältigen.
Danach ging es wieder recht frisch abwärts. Ich hätte mir an dieser Stelle doch meine Armlinge gewünscht. Doch die waren schon auf dem Weg nach Arco.
Auf den flacheren Teilen der Strecke schien heute Sonntagsausfahrt angesagt zu sein. So war die Zugmaschine Elektro-birk oft vorne im Wind zu sehen. Erst am Lago di Molveno entlang nach der zweiten Abfahrt bildete sich eine schöne homogene Gruppe in der jeder seinen Teil zur Führungsarbeit beitrug. So flogen wir dem letzten Anstieg, dem Passo del Ballino entgegen. Kaum hatte man die "Bodenwelle" weggedrückt und wollte Schwung ins Tal mitnehmen kam er: Der heftige Gegenwind vom Gardasee.
Dieser machte die Abfahrt zu einer anstrengenden Angelegenheit. Und auch als es dann Kehre um Kehre steiler Abwärts ging, wurde auf den letzten Kilometern nichts verschenkt. Nach jeder Kehre hieß es wieder Vollgas antreten um den Windschatten nicht abreisen zu lassen.
War ich auf der ersten Abfahrt vom Mendelpass sprichwörtlich etwas sauer 2x eine Lücke bei sehr hohem Tempo wieder zufahren zu müssen, so lieferte Hubert auf der letzten Abfahrt nach Arco eine bravuröse Leistung ab.
 
6 Tage ist es her, dass wir in Sonthofen gestartet sind. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Ich bin über mich selbst erstaunt. Das Training für Transalp und Paris-Brest-Paris (http://www.paris-brest-paris.org) war viel weniger als ursprünglich geplant. Eine gute Grundlage war durch die Brevets wohl doch vorhanden. Nur Berge war ich bis zur Transalp praktisch keine Gefahren. Mit dem richtigen Tempo (vor allem am Berg) jedoch zeigt sich: Die Transalp könnte auch noch eine Woche länger gehen - wenn die Sonne scheint.


PDF Download: Pressebericht Offenburger Tageblatt 26. Juli 2011

 
 
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